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ABSENTIA ANIMI (Liedtke 2003, s.213)

 

Im Herbst

Im Herbst wenn man Abschied nimmt

Im Herbst wenn alle Gatter offen stehn auf sinnlose Koppeln

wo unwirkliche Pilze modern

und Wagenspuren randvoll Wasser unterwegs sind

ins Nichts, und eine Schnecke unterwegs ist

ein zerfranster Schmetterling unterwegs ist

ins Nichts, diese abgeblätterte Rose

Die geringste, verachtetste. Und die Schnaken,

diese hirnlosen Teufel,

knickbeinig, trunken im Schein der Lampe am Abend

und die Lampe selbst die erlöschend zischt

vom nichtigen Meer des Lichts, des Gedankens Polarmeer

in langen Wogen

still gischtender Schaum

von Reihen geteilt durch Reihen

aus Nichts durch Nichts in Nichts

Satz Gegensatz Schlusssatz Abrasax Abraxas Satz

(wie das Geräusch einer Nähmaschine)

Und die Spinnen spinnen in lautloser Nacht ihr Netz

und die Grillen zirpen

Sinnlos.

Unwirklich. Sinnlos.

 

Im Herbst

Es raschelt in meinem Gedicht

Wörter tun ihren Dienst und ruhn

Staub fällt auf sie herab, Staub oder Tau

bis der Wind (sie) aufwirbelt

(und) anderswo ablegt

wer partout aller Dinge Sinn suchen will hat

lange schon eingesehn:

der Sinn des Raschelns ist das

was an sich ganz etwas andres ist als

nasse Gummistiefel im Laub

gedankenverlorene Schritte über den Blätter-

Teppich des Parks, zärtlich haftendem Laub

an nassen Gummistiefeln, gedankenverlorenen Schritten

Du irrst dich, verirrst dich

Nicht so hastig

Nimm dir Zeit

Warte

Im Herbst wenn

Im Herbst wenn alle Gatter

geschieht es dass im letzten schrägen Strahl

nach einem Landregen

mit langen Pausen zaudernd

wie ertappt

eine übriggebliebene Amsel im Baumwipfel singt

um nichts, um der Kehle willen. Du siehst

ihren Wipfel stehn gegen des Himmels fahlen Grund

bei einer einsamen Wolke. Und die Wolke treibt

wie andere Wolken aber übriggeblieben auch irgendwie, hors saison

und ihrem Wesen nach lange schon anderswo

und an sich (wie der Gesang) bereits etwas

anderes als

Etwige Ruhe

Sinnlos. Unwirklich.

Sinnlos. Ich

singe sitze hier singe

vom Himmel von einer Wolke

Ich wünsche mir weiter nichts

Ich wünsche mich weit weit weg

Ich bin weit weg (zwischen den Echos des Abends)

Ich bin hier

Satz Gegensatz Abrasax

Du (bist) auch ich

 

O weit weit weg

da treibt in lichtem Himmel

über dem Wipfel die Wolke

in glücklichem Unbewusstsein!

O tief in mir

da spiegelt sich auf der Fläche des Schwarzperlaugs

in glücklichem Halbbewusstsein

das Bild einer Wolke!

Dies ist nicht das was ist

Dies ist das andere

Es ist in dem was ist

aber nicht das was ist

Dies ist das andere

O weit weit weg

in dem was jenseits ist

ist etwas nah!

O tief in mir

in dem was nah ist

ist etwas jenseits

etwas jenseitsnah

in dem was diesseitsfern ist

etwas weder noch

in dem was entweder oder ist:

weder Wolke noch Bild

weder Bild noch Bild

weder Wolke noch Wolke

weder weder noch noch

sondern das andere!

Das einzige was ist

Ist das andere!

 

Das einzige was ist

In dem was ist

Ist das andere!

Das einzige was ist

In dem was ist

Ist das was in diesem

Das andere ist!

(O Wiegenlied der Seele

Singsang vom anderen!)

 

O

non sens

non sentiens non

dissentiens

indesinenter

terque quaterque

pluries

vox

vel abracadabra

 

Abraxas Abrasax

Satz Gegensatz Schlusssatz der wieder Satz wird

Sinnlos

Unwirklich. Sinnlos.

 

Und die Spinnen spinnen in lautloser Nacht ihr Netz

Und die Grillen zirpen

 

Im Herbst

 

                                         

               

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 Foto: Berndt Klyvare 

 

 

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